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Porträtaufnahme von Diana Reuter

“Frauen denken anders als Männer – und wenn man beides vereint, entstehen ganz neue Ideen”

Im Dialog: Interview mit Diana Reuter, Elektrotechnikerin bei der Scheba GmbH

In der Interviewreihe „Im Dialog” sprechen wir mit Branchenexperten, interessanten Persönlichkeiten und Brother Partnern über aktuelle Marktentwicklungen und Trends. In dieser Ausgabe sprechen wir mit der Elektrotechnikerin Diana Reuter. Mit gerade einmal 23 Jahren kann sie bereits auf bemerkenswerte Meilensteine ihrer Karriere zurückblicken: Sie war Prüfungsbeste der Innung, Landessiegerin und zweite Bundessiegerin in 2017 beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks im Bereich „Elektrohandwerk“. 2018 bestieg sie bei den EuroSkills in Budapest als erste weibliche deutsche Teilnehmerin in der Kategorie Electrical Installations das zweite Treppchen und wurde Best of Nation. An ihrer Seite: der Brother P-touch E550W Beschriftungsgerät, um den Überblick über Kabel, Schalter und Co. zu behalten. Momentan macht Diana Reuter ihren Meister bei der Scheba Elektromaschinenbau GmbH in Schweinfurt. Im Gespräch erzählt sie uns von ihren Erfahrungen als eine von wenigen Frauen im Handwerk und von den Veränderungen sowie Herausforderungen in ihrer Branche, der Elektrotechnik.

Liebe Frau Reuter, was fasziniert Sie an Ihrem Job?

An meinem Job fasziniert mich besonders, dass jeder Tag anders ist. Im Moment arbeite ich hauptsächlich im Schaltschrankbau, aber wenn ich auf die Arbeit komme, kann es auch sein, dass ich draußen irgendwo gebraucht werde. Es können Kunden anrufen, die irgendeine Reparatur brauchen. Ich weiß nie genau, was ich an dem Tag mache, es kann immer etwas Neues kommen. Das ist das Tolle daran!
Außerdem schreitet der Wandel der Technik kontinuierlich voran, wodurch sich die Aufgaben verändern – das ist das Faszinierende. Die Technik bleibt nie auf demselben Stand.

Elektroverkabelung
Diana hat den Durchblick hinsichtlich der Elektrotechnik und verkabelt für ihr Leben gern.

Wann haben Sie gewusst, dass Sie Elektrikerin werden möchten? Gab es einen ausschlaggebenden Moment, in dem Sie wussten "Ich werde Elektrikerin und nichts anderes"?

Die Entscheidung, dass ich Elektrikerin werden möchte, kam tatsächlich sehr spät. Ich wollte eigentlich immer Pferdewirtin werden. Während meines Fachabiturs hatte ich dann aber über ein halbes Jahr lang Metall- sowie Elektropraktika und dabei habe ich gemerkt, dass mich die Elektrotechnik sehr interessiert. Seitdem habe ich dann gewusst, dass ich Elektrikerin werden will und nichts anderes. Und das auch als ich gemerkt habe, dass der Schwierigkeitsgrad von der mittleren Reife über das Fachabitur bis zur Berufsschule um einiges höher war. Ich habe nie daran gedacht, aufzugeben. Mein großes Interesse bestärkte mich, auch an komplexen Themen dranzubleiben und zu lernen.
 
Haben Sie im Laufe Ihrer jungen Karriere bereits Veränderungen in der Branche der Elektrotechnik wahrgenommen und wenn ja, welche?

Große Veränderungen gab es in meiner Zeit noch nicht, aber es kommen immer neue Produkte auf den Markt, mit denen wir arbeiten. Das können neue Klemmen für verschiedene Drähte oder neue Maschinen sein, die die Arbeit erleichtern, wie zum Beispiel neue Kabelablängmaschinen. In dem Bereich gibt es ständig Veränderung – kleine, aber dauerhafte. Außerdem merke ich auch, dass wir verstärkt mit Elektroautos arbeiten, die im Moment häufig gekauft werden. Vor allem weil Schutzkontakt-Steckdosen, die über Kabel Autos laden können, nicht auf Dauer für die Höhe der Belastung ausgelegt sind, installieren Elektriker für die E-Auto Ladestationen für öffentliches Laden oder sogenannte Wallboxen für den Privatgebrauch – das habe ich persönlich aber noch nicht gemacht.

Welche Themen beschäftigen Sie aktuell in Ihrem Beruf? Welche Herausforderungen gibt es und wie gehen Sie bzw. die Branche damit um?

Das größte Thema ist aktuell der Umbruch in der Automobilbranche. Elektroautos sind jetzt hoch im Kurs, das merken wir in der Industrie. In der Industrie ist die Arbeit etwas zurückgegangen, was auch Auswirkung auf uns hat. Es ist weniger Arbeit da als im letzten Jahr, in dem wir viele Überstunden gemacht haben. Jetzt bauen wir eher Überstunden ab. Veränderungen in Sachen Nachhaltigkeit sind schon gewünscht, aber auch schwierig. Alle Produkte, die wir kaufen, sind in viel Plastik und Pappe eingepackt, damit auch nichts beschädigt wird. Die gleichen Vorsichtsmaßnahmen gelten für den Transport von uns zum Zielort. Die Branche versucht damit umzugehen, aber es ist schwer umzusetzen. Zuletzt ist der große Fachkräftemangel ein kritisches Thema: Sowohl Azubis als auch Arbeiter werden gesucht - es gibt vor allem zu wenig Frauen im Handwerk .

Wäre das ein spannendes Projekt für Sie, mehr in die Richtung von erneuerbaren Energien zu gehen?

Spannend wäre es schon, aber ob ich das dauerhaft machen wollen würde, ist eine andere Frage. Die Elektrotechnik ist vielfältig, da ist vieles spannend. Von ganz normalen Hausinstallationen, die ich weniger mache, über meinen Beruf, bei dem ich Schaltschränke baue, bis zu größeren Anlagen – ich würde am liebsten überall einmal hineinschnuppern.

Als junge Frau können Sie von einem Unternehmen zum anderen bzw. von einem Bereich in einen anderen zu wechseln, wenn Sie noch mehr lernen möchten.

Das stimmt. Ich mache aktuell meinen Meister und danach stehen mir mehr Türen offen als mit dem Gesellenstatus. Die Möglichkeit eines Wechsels besteht immer. Aufgrund des Fachkräftemangels findet man in vielen Firmen eine Stelle, wenn man mit seinen aktuellen Tätigkeiten nicht mehr so zufrieden ist – momentan bin ich aber sehr zufrieden.

Was wünschen Sie sich für die Handwerksbranche? Welche Entwicklungen und Trends sollten vorangetrieben werden?

Ich wünsche mir, dass die Handwerksbranche ein höheres Ansehen genießt. Ich habe das Gefühl, die meisten wollen einfach nur noch studieren, und sich nicht die Hände schmutzig machen. Der große Lohnunterscheid ist natürlich auch ein Problem: Der Handwerker verdient sehr wenig im Vergleich zu jemandem, der studiert hat und danach eine Stelle als Ingenieur bekommt. Die Entwicklung ist schwierig: Wer mehr Lohn zahlen will, muss auch mehr von den Kunden verlangen und nicht jeder Kunde ist einverstanden damit, dem Handwerker mehr zu zahlen. Viele geben sehr viel Geld für Sachdinge aus und können dann nicht verstehen, wenn der Handwerker einen Euro teurer geworden ist. Das betrifft leider jeden Beruf im Handwerk.

Mit einem Meister könnten Sie auch Berufseinsteiger ausbilden und einen eigenen Betrieb eröffnen. Wäre das ein persönliches Ziel? Was wünschen Sie sich für Ihre berufliche und persönliche Zukunft?

Aktuell sehe ich mich nicht in der Selbstständigkeit, aber wer weiß, was in 5 bis 10 Jahren ist. Es gibt so viele Elektrofirmen, bei denen Kunden lange Wartezeiten haben, da wäre es ideal, sich selbstständig zu machen. Mir wäre das Risiko aber aktuell einfach zu groß, weil mir in vielen Bereichen die Erfahrung fehlt. Deswegen wünsche ich mir erst einmal für die Zukunft eine Stelle als Meister. Alles andere wird sich ergeben.

Liebe Frau Reuter, letztes Jahr haben Sie an den EuroSkills teilgenommen – als erste weibliche deutsche Teilnehmerin in der Kategorie Electrical Installations – und haben die Silbermedaille gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Wie haben Sie das erlebt?

Als ich Innungs-Erste war, wusste ich von den ganzen Wettbewerben nichts. Ich war im Urlaub, als meine Mutter mir telefonisch erzählt hat, dass ein Brief von der Handelskammer gekommen sei, in dem ich gefragt werde, ob ich am Kammerwettbewerb auf unterfränkischer Ebene mitmachen möchte. Den habe ich erstmal gegoogelt und mich entschieden, daran teilzunehmen. Die Innung hat mich bei der Vorbereitung sehr unterstützt. Am Ende wurde ich bei den Deutschen Meisterschaften Zweite. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Der Erstplatzierte darf dann zu den EuroSkills fahren, allerdings ist hier ein Fehler unterlaufen – er war nämlich zu alt, sodass ich gefragt wurde, ob ich nachrücken möchte. Da musste ich nicht lange überlegen! Während der Vorbereitung wurde ich auch in die Schweiz zum Trainieren mit den schweizer und russischen Kandidaten eingeladen. Dort habe ich das erste Mal gemerkt, was auf mich zukommt und hatte Zweifel, ob ich das schaffen kann. Ich hatte nur 13 Stunden für die Aufgabe und habe 20 Stunden gebraucht. Dann haben mir mein Chef und die Schweinfurter Innung klasse unter die Arme gegriffen: Sie haben mir Material beschafft und eine Trainingsfläche zur Verfügung gestellt. Mein Chef hat mich zwei Monate freigestellt. Ich wurde zwei Wochen vor den EuroSkills nach Budapest zum Trainieren eingeladen und als es so weit war, war ich natürlich aufgeregt. Es waren plötzlich Leute aus anderen Ländern da, deren Fähigkeiten ich nicht einschätzen konnte. Die drei Tage waren sehr nervenaufreibend, vor allem weil man keinen Zwischenstand seiner Leistung erfährt. Als der Wettbewerb vorbei war, ist eine große Last von mir abgefallen – was für ein Gefühl! Vor allem als dann die Sponsoren vom deutschen Team applaudieren. Erst bei der Siegerehrung haben wir erfahren, dass der zweite Platz an Deutschland geht – das war ein einmaliges Erlebnis. Ich bin sehr dankbar für die viele Unterstützung, die ich in der Zeit erhalten habe, allem voran auch von meinem Freund. Er stand mir durchgehend sowohl mental als auch fachlich zur Seite – er ist nämlich auch Elektriker.

Gab es dann abgesehen von der Medaille einen Preis?

Nein, aber für mich persönlich war das Schönste, dass verschiedene Länder aufeinandertreffen und sich vernetzen. Man lernt die Arbeitsweisen und Kulturen der anderen Länder kennen.

Wie sieht so ein Training aus?

Wir haben von EuroSkills eine Skizze bekommen, um einen Eindruck davon zu bekomme, wie der Wettbewerb ungefähr aussehen könnte. Mit der Skizze haben wir dann trainiert, unter anderem die Betriebsmittel auf 2 mm genau zu schrauben. Wir haben Genauigkeit trainiert und Programmieren – das sind beides auch Bewertungskriterien, genauso wie die Funktion des Endresultats und die Optik, heißt, wie sieht das ganze aus, wurden die Kabel schön zusammengeführt etc., aber die größte Herausforderung war die Zeit.

Würden Sie noch einmal an den EuroSkills teilnehmen?

EuroSkills und die WorldSkills haben die Idee, die Jugend zusammenzubringen. Die Idee entstand nach dem Weltkrieg, damit sich die Jugend versteht und sich verknüpft. Das Höchstalter bei den EuroSkills ist 25 und bei den WorldSkills nur 22. Man darf nur einmal daran teilnehmen.

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Diana in ihrem Element als Elektrikerin bei den WorldSkills.

Die Frauenquote in der Elektrotechnik ist sehr gering. Sollten Ihrer Meinung nach mehr Frauen den Mut haben, ins Handwerk zu gehen, und wenn ja, warum?

Ich finde auf jeden Fall, dass mehr Frauen den Mut haben sollten, einen aus veralteter Sicht eher typisch männlichen Beruf zu erlernen. Frauen denken anders als Männer – und wenn man beides vereint, entstehen ganz neue Ideen. Ich habe gelegentlich das Gefühl, dass sich Frauen in einem eher typischen Männerberuf beweisen müssen, und es schwerer haben, sich Respekt bei der älteren Generation zu verschaffen. Aber ich finde es trotzdem sehr wichtig, dass Frauen das machen. Ältere Menschen tendieren dazu zu denken, das Handwerk sei ein reiner Männerberuf, und dann wird man als Frau komisch angeschaut. Da einfach noch zu wenige Frauen im Handwerk tätig sind, schauen die Männer genauer hin.

Was würden Sie anderen Frauen raten, die sich aufgrund der hohen Männerquote im Handwerk nicht trauen, den Weg dahin einzuschlagen?

Man muss ein gewisses Selbstbewusstsein haben und man muss schlagfertig sein. Ich merke auch, dass ich selber in meiner Persönlichkeit gewachsen bin. Ich war früher sehr schüchtern. Man darf Sprüche, die nicht ernst gemeint sind, nicht blöd aufnehmen. Es sollten sich mehr Frauen trauen, einfach ihr Ding durchzuziehen – egal was das sein mag – und zu sagen: Was Andere darüber denken, ist mir egal. Ich höre auf mein Herz und gehe genau den Weg, den ich möchte.

Vielen Dank für das interessante Gespräch und alles Gute für Ihre Zukunft, Frau Reuter!

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