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  5. Speditionen: Telematik und 5G
In dieser Transport- und Logistikszene sind zwei Lastwagen von oben zu sehen, die eine Landstraße befahren. Beide Fahrzeuge sind mit Statistiken versehen, die ihre Koordinaten, den Frachtcode, die Ankunftszeit, Fahrerdetails, Logistikinformationen, Ladungsdetails und mehr anzeigen.

Wie profitieren Speditionen von 5G und Telematik?

Telematik ist eine komplementäre Technologie, die die Bereiche Telekommunikation und Informatik verbindet. Ihre Einsatzmöglichkeiten sind vielseitig. Sie ist nicht nur auf den Verkehrssektor beschränkt, sondern wird beispielsweise auch zur Fernsteuerung von technischen Anlagen und Versorgungsnetzen, beim E-Commerce oder für die Telearbeit verwendet.

Im Straßentransport fallen so unterschiedliche Bereiche wie GPS-Navigation, automatische Fahrassistenzsysteme und das GPS-Tracking von Fahrzeugen, Ladung oder Trailern unter den Begriff Telematik. Die Systeme werden sowohl in und am Fahrzeug als auch in der Spedition zum Fuhrparkmanagement verwendet. Ein Telematiksystem besteht mindestens aus einem Sensor bzw. einer Ortungseinheit, einer Methode zur Übertragung der Daten sowie einer Software zur Verarbeitung und Ausgabe der Informationen.

Potenzial der Telematik 

Telematiksysteme bieten Speditionen eine Möglichkeit, die Effizienz signifikant zu steigern und dadurch die Gesamtbetriebskosten eines Fuhrparks zu senken.  

Hauptsächlich liegt das daran, dass Telematik im Fuhrpark-Management zu einer weitreichenden Verschlankung administrativer Arbeiten führt. Die automatisierte Datenverarbeitung wird in Zukunft zum papierlosen Fuhrpark-Management führen und dadurch zeitraubende Routinen reduzieren. Die rechtlichen Grundlagen für den e-Frachtbrief wurden bereits im Jahr 2008 mit dem Zusatzprotokoll zum Übereinkommen über den Beförderungsvertrag im Straßengüterverkehr (CMR) gelegt. Inzwischen haben 29 Länder – unter anderem Luxemburg, Niederlande, Frankreich, Spanien, Dänemark, das gesamte Baltikum, Rumänien und der Iran – das Protokoll unterzeichnet. In der Fahrerkabine wird es zukünftig also weniger Papier geben.

Ein weiterer großer Nutzen der Telematik ist, dass es diese Systeme den Disponenten ermöglichen, die Flotte effizienter zu steuern. Das betrifft sowohl die GPS-unterstützte Routenwahl als auch die Überwachung gesetzlich vorgeschriebener Fristen, beispielsweise Ruhezeiten, was zur Vermeidung von Fehlern und Bußgeldern führt. Mit den Informationen, die sich aus vernetzten Fahrzeugen auslesen lassen, können Rückschlüsse auf die Fahrweise gezogen werden, beispielsweise, ob der Fahrer zu gefährlichen Manövern neigt oder auffällig viel Kraftstoff verbraucht. Das erschließt Potenzial zur Steigerung der Fahrsicherheit oder zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs.  

Nicht zuletzt können Motorfehlercodes aus der Ferne überwacht und Maßnahmen zur Reduzierung von Wartungskosten vorausschauend eingeleitet werden. Ähnlich lässt sich durch die Anzeige von Daten wie Kühlmittel- und Ölstand der fahrbereite Zustand der Fahrzeuge im Fuhrpark sicherstellen.

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In den unübersichtlichen Markt einarbeiten

Das Potenzial der Telematik wird bisher nur von einem Teil der Speditionen genutzt. Tatsächlich findet das Flottenmanagement zum Teil noch mit Tabellenkalkulationsprogrammen oder Papierlisten statt. Denn unabhängig davon, in welchem Bereich die Telematik zum Einsatz kommt, ist die Auswahl eines Systems für Unternehmen in der Regel eine Herausforderung. Gründe sind zum einen der unübersichtliche Markt, zum anderen die hohen Preise. Es besteht das Risiko, einen Anbieter auszuwählen, bei dem im Nachhinein aufwendige oder teure individuelle Anpassungen notwendig werden, deren Folgen unter Umständen noch über Jahre zu spüren sind. Häufig entscheiden sich Speditionen daher, statt in ein Telematiksystem lieber in ein neues Fahrzeug zu investieren.

Unternehmen sollten daher ausreichend zeitliche und personelle Ressourcen einplanen, wenn sie die Einführung solch eines Systems angehen wollen. Eine erste Orientierung für interessierte Unternehmen bieten Branchenportale und Fachzeitschriften. Zudem werden Telematik-Wettbewerbe durchgeführt, aus deren Ergebnissen sich Empfehlungen ableiten lassen. Beispielsweise vergibt der ETM Verlag, eines der führenden deutschen Medienhäuser der Nutzfahrzeug- und Logistikbranche, alle zwei Jahre den Deutschen Telematik Preis, und zwar in mehreren Kategorien. Denkbar wäre es für Speditionen zudem, in Kontakt mit Universitäten und Fachhochschulen zu treten, die Telematik als Studiengang anbieten, um Praktikumsplätze anzubieten.

Ein Tablet zeigt in dieser Transport- und Logistikszene Informationen und Optionen für einen Lastwagen an. Der Benutzer steht vor einer Flotte von Fahrzeugen.
Mit Hilfe von Telematiksystemen lassen sich LKW-Flotten digital verwalten.

Internet of Things 

Mit dem Maschinen- und Sensorennetz NarrowBand IoT (NB-IoT) ist es möglich, kleine Geräte, die wenig Energie benötigen, mit Statusmeldungen zu versorgen bzw. Meldungen abzurufen. Durch 5G können beispielsweise Funktionen des Paletten-Tracking wie die Übermittlung von Statusmeldung über Erschütterungen, Temperaturbereiche usw. serienmäßig zugänglich gemacht werden. Das Fraunhofer-Institut IML brachte bereits im Jahr 2018 einen 5G-kompatiblen Tracker für intelligente Paletten in den Markt, den das Unternehmen EPAL an 500 Paletten im Praxiseinsatz nutzt.  

Ein weiterer Vorteil von 5G ist, dass sich nun Statusmeldungen von Lagerhäusern abrufen lassen, die vorher funktechnisch nicht gut zu erreichen waren. 

Fraunhofer-Experte Wolfgang Inninger entwirft in einem Interview mit dem Fachmagazin Verkehrsrundschau ein konkretes Zukunftsszenario der Telematik mit 5G. Er beschreibt, dass es durch die Echtzeit-Übermittlung der Daten mit relativ wenig finanziellem Aufwand möglich ist, eine zunehmende Anzahl von logistischen Behältern immer stärker zu vernetzen und diese kontinuierlich online zu haben. Es ist daher vorstellbar, jeden Anhänger, jeden Container und jede Palette zu vernetzen und zu orten. Dieses Ziel, das vorher an der technischen Umsetzung scheiterte bzw. wirtschaftlich nicht darstellbar war, rückt nun durch die Verbreitung von 5G in greifbare Nähe.  

Durch die sich eröffnenden Möglichkeiten der besseren Organisation der Transportprozesse ist ein unbegleiteter Logistikumschlag denkbar. Beispielsweise können bestimmte Funktionen – wie das Öffnen eines Schlosses an einem Container – online freigegeben werden, und es ist nicht mehr nötig, dass ein Mitarbeiter dabei anwesend ist. 

Kooperatives Fahren und Parkraummanagement 

Großes Potenzial sieht Inninger im Bereich des kooperativen Fahrens, das heißt, der Kommunikation zwischen Fahrzeugen. Wenn von einem Fahrzeug in einem vorausliegenden Straßenabschnitt eine Behinderung wie Glatteis, Stau oder Starkregen erkannt wird, ist es nachfolgenden Fahrzeugen möglich, frühzeitig zu reagieren und langsamer zu werden, wodurch sich Gefahrensituationen und starke Bremsmanöver vermeiden lassen. 

Die Automatisierung führt letztendlich zu einer erhöhten Sicherheit auf den Straßen und dadurch auch zu einer Entlastung des Fahrers. 

5G wird nicht von Anfang an alle möglichen 5G-Dienste ausspielen. Zunächst liegt der Fokus auf Breitband-, später dann auf Echtzeitanwendungen. Diese könnten zunächst das fahrerlose Fahren bei niedrigen Geschwindigkeiten ermöglichen. In einem absehbaren Zeitraum ist die Automatisierung bei gewissen Fahrfunktionen zu erwarten, beispielsweise das fahrerlose Fahren in abgeschlossenen Bereichen wie Werksgelände, Terminals oder Häfen. 

Eine relevante Verbesserung ist in Bezug auf das Parkraummanagement zu erwarten. Die Mangelware Parkplatz kann durch Kommunikation von Fahrzeug und Parkplatz effizienter genutzt werden. Mithilfe von 5G lassen sich Statusmeldungen in Bezug auf die Belegung von Autobahnraststätten übermitteln und Prognosen ableiten, wann Lkws parken bzw. losfahren, sodass Fahrer diese Vorabinformationen zur Routenplanung nutzen können. 

Fazit 

In den nächsten zwei bis drei Jahren ist zu erwarten, dass ein relevanter Anteil an Nutzern 5G beanspruchen wird. Durch die Möglichkeiten der Vernetzung, die sich daraus für die Logistik ergeben, wird die Digitalisierung des Straßentransports und als Nebeneffekt auch die Bedeutung der Telematiksysteme zunehmen. Aus einem sich digitalisierenden Straßentransport werden diese nicht mehr wegzudenken sein.

Der Transport- und Logistiksektor steht infolge der Digitalisierung vor großen Herausforderungen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind Investitionen unabdingbar. Die Europäische Union hat eine Reihe von Förderprogrammen aufgesetzt, die besonders für kleine und mittlere Unternehmen aus der Speditionsbranche interessant sind. In unserem Whitepaper geben wir dazu einen Überblick samt Tipps, wie man sich die Förderungen zu Nutze machen kann.

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