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  5. Vollautomatische Kommissioniersysteme vs. Lagerarbeiter?
Fest verankerte Roboterarme stehen an einem Fließband und kommissionieren Pakete automatisch.

Ersetzen vollautomatische Kommissioniersysteme den Lagerarbeiter?

Was ist denn ein Kommissionierer? – Sind das nicht die, die Warensendungen zusammenstellen und etikettieren? – Muss ein anstrengender Job sein, den ganzen Tag Pakete zu schleppen…

Das ist wohl ungefähr das Bild, das manchem Nichtfachmann spontan in den Sinn kommt, wenn er das Wort „Kommissionieren“ hört.

Ganz abgesehen davon, dass sich das Feld der Lagerlogistik von Zolllagern bis hin zum industriellen Rohstofflager erstreckt – also nur zu einem Teil mit Paketsendungen zu tun hat – müssen Kommissionierer keine Pakete mehr schleppen. Im klassischen Regallager haben längst ergonomische Förderbänder, Funktechnik und Augmented Reality Einzug gehalten.

Die Lagerlogistik ist also mitten drin in der Automatisierung. Unternehmen, die ihren Fokus auf den Aufbau einer smarten Logistik 4.0 legen, stehen nun vor der Frage, für welche der am Markt erhältlichen Technologien sie sich entscheiden sollen.

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Die Evolution der Kommissionierverfahren

Kommissioniersysteme lassen sich technisch auf unterschiedliche Arten realisieren.

Der traditionelle Weg besteht darin, dass ein Mitarbeiter losgeschickt wird, um die Ware aus dem Regal herbeizuholen. Deswegen trägt das System auch den Namen „Mann-zur-Ware“. Kennzeichen dieses Systems ist, dass die Ware statisch bereitgestellt wird. Der Kommissionierer geht also mit einem Behälter zu einem Regal und sammelt die Ware ein, wobei er sich ein- oder zweidimensional fortbewegen kann.

Er muss dabei wissen, welche Artikel in welchen Mengen aus welcher Verpackungseinheit zu entnehmen und für die Warensendung zusammenzustellen sind. Zudem muss er die Entnahme quittieren.

Die Informationen werden überwiegend elektronisch verarbeitet. Dieser einstmals traditionelle Weg ist inzwischen von modernen Technologien geprägt. Große Effizienzsteigerungen in der Lagerhaltung lassen sich beispielsweise mit Kommissioniertechniken wie Pick-by-RFID oder Pick-by-Light erzielen. Immer häufiger unterstützen auch sogenannte AR-Datenbrillen die Lagerarbeiter, Pick-by-Vision genannt.

Mann hebt mit einem Gabelstapler eine Palette mit Waren aus einem Lagerregal.
Das traditionelle Kommissionssystem „Mann-zur-Ware“ sieht vor, dass ein Mitarbeiter die statisch bereitgestellte Ware aus dem Regal holt.

Gegenüber „Mann-zur-Ware“ bedeutet das modernere Kommissioniersystem „Ware-zum-Mann“ allerdings in puncto Effizienzsteigerung einen weiteren Sprung nach vorn. Hier ist es der Kommissionierer, der sich an einem festen Platz befindet. Die Ware wird dynamisch bereitgestellt, das heißt, sie wird über eine Fördertechnik zum Kommissionierer bewegt. Die Optimierungspotenziale, die sich durch die Reduktion der Fahrwege ergeben, sind offensichtlich. Zudem lassen sich mit autonomen Transportsystemen und mobilen Regalen ergonomische Arbeitsplätze ausgestalten.

Eine dritte Lösung ist die robotergestützte Kommissionierung. Die Spielarten reichen hierbei von teilautomatischen Lösungen wie Picking-Robotern, die einzelne Kisten oder Kistenschichten handhaben, bis hin zu vollautomatischen Anlagen. Vor allem die vollautomatisierten Systeme beeindrucken durch ihre hohe Leistungsfähigkeit und die geringe Fehlerquote. Und ihre Entwicklung schreitet voran. Das Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik berichtete kürzlich, dass am Institut eine vollautomatisierte Roboterzelle entwickelt wurde, die Autoteile vorsortiert.

Werden automatische Kommissioniersysteme bald den Lagerarbeiter verdrängt haben?

Ist die vollautomatisierte Kommissionierung die Zukunft?

Die Robotertechnologie ist in der vergangenen Zeit so rasant gewachsen, dass sich daraus ein eigener Markt entwickelt hat.

Die Waren, mit denen Versandhandel und Paketdienstleister zu tun haben, bestehen jedoch aus Artikeln, die sich in Form, Größe und Gewicht voneinander unterscheiden. Und genau diese Vielfalt ist es, die Roboter an ihre Grenzen bringt. 

Während Forschungsfragen wie der automatisierte Warentransport oder die Navigation des Roboters durch das Lager als gelöst betrachtet werden, sieht es in den Bereichen Erkennungs- und Greifaufgaben anders aus. Roboter können bislang nicht mit der menschlichen Flexibilität beim Erkennen und Greifen konkurrieren. Lernfähige Robotersteuerungen sind in diesem Bereich einfach noch nicht umgesetzt.

Automatische Kommissioniersysteme wie Schachtkommissionierer erfordern es beispielsweise, dass Artikel sortenrein bereitgestellt werden. Ihre Stärken entfalten sich nur bei gleichförmigen Waren mit einem ähnlichen Gewicht. Sie finden deshalb nur in hochkomplexen Produktionssystemen Anwendung, bei denen die Voraussetzung eines definierten Produktspektrums gegeben ist.

In Distributionslagern geht der Trend jedoch in die entgegengesetzte Richtung. Hier finden sich zunehmend gemischte Warensendungen in kleinen Verpackungsmengen und Artikel, die sich stark voneinander unterscheiden. Distributionssysteme für Güter des täglichen Bedarfs, mit denen es Versandhandel und Paketdienstleister zu tun haben, nutzen die vollautomatische Kommissionierung deshalb nur in Einzelfällen, beispielsweise in Form eines Sortier- und Verteilsystems für den Transport an einen manuellen Pickplatz.

Mann an einem Förderband scannt Barcodes auf Paketen.
Das modernere Kommissioniersystem „Ware-zum-Mann“ macht in puncto Effizienzsteigerung einen Sprung nach vorn, indem die Ware dynamisch über eine Fördertechnik bereitgestellt wird.

Vorteile und Nachteile der manuellen Kommissionierung

Da das menschliche Auge und die menschliche Hand samt ihres Tastsinns bisher also ungeschlagen sind, werden Kommissioniersysteme in der Distributionspraxis immer noch zu 70 bis 80 % manuell betrieben.

Allerdings gibt es in der manuellen Kommissionierung ein Problem: die Tatsache, dass Menschen Fehler machen. 

Gründe für Kommissionierfehler sind vielfältig. Häufig ist es jedoch Unachtsamkeit, die dazu führt, dass sich der Kommissionierer verzählt. Oder es liegt am falschen Umgang mit dem Kommissioniersystem. Dazu kommen der meist hohe Zeitdruck und eine Monotonie in der Arbeit, die es dem Mitarbeiter schwer machen, die Konzentration über den gesamten Arbeitstag aufrechtzuerhalten. 

Die Folgen von Kommissionierfehlern stellen jedoch einen nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor dar: Sie reichen von einer teuren Express-Nachlieferung bis hin zum Kundenverlust. Daher ist die Vermeidung von Pickfehlern eines der aktuellen Forschungsthemen in der Intralogistik.

Die Lösung, um Kommissionierfehler zu vermeiden, liegt jedoch nicht darin, den Menschen durch Maschinen zu ersetzen, sondern in der verbesserten Kooperation von Technik und Mensch. Ein Ziel der Forschung ist es deshalb – stellvertretend sei hier das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung und das Fraunhofer IML genannt –, technologische Hilfsmittel für die manuelle Kommissionierung weiterzuentwickeln, um die Arbeit zum einen für den Menschen leichter zu machen und zum anderen, um Kommissionierfehler zu vermeiden.

Und so verändert die Kombination von immer leistungsfähigeren Sensoren und Softwares zunehmend die Arbeit menschlicher Fachkräfte. Kurz – der Megatrend Industrie 4.0 macht auch vor dem Logistiklager nicht halt.

Der Lagerarbeiter ist unverzichtbar

Es hat sich gezeigt, dass vollautomatische Kommissionierverfahren einige grundlegende Vorteile haben: Sie reduzieren Personalkosten, ihre Fehlerquote geht gegen null, in der Regel fallen keine Totzeiten bei der Kommissionierung an – und sie sind in der Lage, den Prozess zu beschleunigen. Gerade die Personalkosten sind ein wesentlicher Faktor, da allein 60 bis 80 % der Lagerkosten nur auf das Personal zurückzuführen sind.

Jedoch scheinen vollautomatische Anlagen in naheliegender Zeit keine Alternative für die Distributionslogistik. Der Grund ist, dass sich das Kommissioniersystem bei vollautomatischen Anlagen an die Anlage anzupassen hat. Umgekehrt sind Menschen jedoch in der Lage, sich an das Kommissioniersystem anzupassen. Und genau diese Flexibilität wird zunehmend gefordert. Ein Stichwort ist hier die Losgröße eins, die Sonderanfertigung. Der Wunsch der Verbraucher nach zunehmend individuelleren Produkten ist durch Industrie 4.0 in greifbare Nähe gerückt.

Zudem sprechen in erster Linie die hohen Anschaffungskosten gegen die Nutzung vollautomatischer Kommissioniersysteme, besonders in Bezug auf die Infrastruktur. Weiterhin sind die Maschinen oftmals hoch komplex und Unternehmen bringen sich in eine potenziell starke Abhängigkeit zu den Systemen. 

Insbesondere Unternehmen, die nicht zu den Global Players gehören, werden ihre Waren weiterhin von Menschen kommissionieren lassen.

Es ist noch ein langer Weg bis es heißt: „Was ist denn ein Kommissionierer? – Sind das nicht die, die Warensendungen zusammenstellen und etikettieren? Muss ein anstrengender Job sein, den ganzen Tag Roboter zu beaufsichtigen…“.

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