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Zwei Personen arbeiten im Gang eines klassisches Palettenregallagers.

Regalsysteme in der Logistik

Die Auswahl des optimalen Regalsystems für das Logistiklager ist eine Grundsatzentscheidung. Bei der Planung kommt es nicht nur auf technische Gesichtspunkte wie die Sicherheit und Tragfähigkeit an, denn ein Regalsystem muss letzten Endes eines leisten: Es muss Veränderungen gewachsen sein. 

Das passende Regalsystem für die Lageroptimierung finden  

Ein Unternehmen, das Verpackungsmaterial herstellt, lagert seine Ware in Hochregallagern auf insgesamt 6 000 m² Fläche. Die Kommissionierer müssen diese Fläche mehrmals am Tag ablaufen, um die Waren für die Bestellungen zu picken. Das Unternehmen entschließt sich, die Lagerhaltung zu optimieren und ersetzt das Hochregallager durch ein AutoStore-System. Dieses ist wie ein Turm mit 16 Ebenen aufgebaut. Die Lagerfläche, die nun in Anspruch genommen wird: 170 m².  

Das entspricht einer Reduzierung der Lagergrundfläche um 97 %.  

Dieses Beispiel aus der Praxis zeigt, dass ein wohldurchdachtes Lager- und Regalsystem die Effizienz im Lager signifikant erhöhen und zu Einsparungen im Lager führen kann.  

Bei der Auswahl des passenden Regalsystems steht der Logistiker jedoch vor einem Problem: Der Markt an Industrieregalen ist fast unüberschaubar. Für eine erste Recherche muss der Regaltyp deshalb genauer eingegrenzt werden. Dafür ist nicht nur die Art der einzulagernden Güter ausschlaggebend, sondern insbesondere die Frage, ob die Regallagerung dynamisch oder statisch erfolgen soll.

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Regale nach Art der einzulagernden Güter  

Industrielle Regalsysteme existieren für jegliche Arten von Gütern, so gibt es am Markt Lösungen für Paletten, Stückgüter, Langgüter und Behälter. Diese Lösungen unterscheiden sich voneinander in Flexibilität, Platzbedarf, Schnelligkeit wie auch in ihrem Automatisierungsgrad.  

Obwohl Paletten im Lagerbetrieb sehr weit verbreitet sind, gibt es verschiedene Arten von Gütern, die für die Palettierung zu klein, zu groß oder zu lang sind. Grundsätzlich kann deshalb zwischen Regalen für palettierte und nicht-palettierte Güter unterschieden werden.  

Zu den nicht-palettierten Produkten zählen Papierrollen, Maschinenteile, Stahlträger, Fässer, aber auch Kleinteile. Stückgüter können beispielsweise in klassischen Fachbodenregalen oder in Stückgutdurchlaufregalen gelagert werden. Als Regalsysteme für schwere oder lange Güter empfehlen sich Kragarmregale oder Weitspannregale. Für kleine Stückgüter wie Schrauben, Muttern oder Elektronikteile werden häufig automatisierte Kleinteilelager eingesetzt.

Auch die Lösungen für Palettenregale sind vielfältig. So existieren neben den klassischen Palettenregalen zudem Durchlaufregale, verfahrbare Palettenregale, automatisierte Palettenlager sowie Kompaktlager.  

Regale können zudem in Form von Mehrgeschossanlagen und Bühnensystemen genutzt werden. Diese schaffen nicht nur eine optimale Ausnutzung des Lagerplatzes bei gleichem Flächenbedarf, sondern sind durch Stabilität und Belastbarkeit gekennzeichnet. So sind Stahlbaubühnen begehbar und teilweise befahrbar.  

Regale nach Art der Lagerungstechnik 

Regalsysteme werden nicht nur nach der Art der Ware unterschieden, sondern auch danach, ob die Ladeeinheiten nach dem Einlagern bewegt werden oder nicht. Das heißt, es gibt auf der einen Seite sowohl ortsfeste als auch bewegte Regale und auf der anderen Seite gibt es auch feststehende Ladeeinheiten und bewegte Ladeeinheiten. 

Die Wahl der Lagertechnik ist von der Art der Waren und den Mengen abhängig, die gelagert werden sollen. Zudem spielt es eine Rolle, ob es sich um langsam- oder schnelldrehende Güter handelt, da nicht jedes Regalsystem das FIFO (First in – First out) unterstützt und die Ware nicht in jedem Fall direkt zugänglich ist. 

Statische Regallagerung für Paletten und Stückgüter 

Statische Lagerung bedeutet, dass jeder Artikel, gleich ob palettiert oder als Stückgut, seinen festen Platz im Lager hat.  

Bei der statischen Lagerung kommen ortsfeste Regale zum Einsatz. Ladeeinheiten werden darauf einfach- oder mehrfachtief eingelagert und erst bei der Auslagervorgang erneut bewegt. 

Das klassische Palettenregal 

Palettenregale bestehen aus Ständern, die durch ein Trägersystem miteinander verbunden sind. Auf diese Traversen werden Flach-Paletten bzw. Gitterboxen abgesetzt.  

Für die Lagerung von Paletten werden überwiegend Mehrplatzregale verwendet. Das bedeutet, dass sich zwischen zwei Ständern mehrere Paletten befinden. Bei schweren Gütern sind allerdings Einplatzsysteme die bessere Wahl. Hier befindet sich zwischen zwei Ständern jeweils nur eine Ladeeinheit. Die Regalbedienung erfolgt entweder automatisch oder manuell. 

Varianten des Palettenregals sind das Hochregallager und der Hochregal-Silo. Beim Hochregal-Silo entfällt der Bau einer Lagerhalle, weil Wände und Decke von der Regalkonstruktion getragen werden. Hochregallager erreichen Höhen bis zu 40 Metern und werden automatisiert bedient. 

Paletten können zudem in sogenannten Ein- oder Durchfahrregalen gelagert werden. Diese Systeme eignen sich insbesondere, wenn Artikel in großen Mengen, jedoch nur in einer begrenzten Vielfalt vorliegen. Die Regalsysteme werden von Flurförderfahrzeugen bedient, wobei der Gabelstapler beim Einfahrregal nur von der Frontseite, beim Durchfahrregal hingegen von beiden Seiten einfahren kann. 

Fachbodenregal 

Fachbodenregale werden für Stückgüter verwendet. Ihr Merkmal ist der Fachboden aus Stahlblech oder Holz, auf dem Kleinteile in Lagersichtkästen oder mittelvolumige Ware wie Kartons, Kanister oder Aktenordner lagern. Sie werden üblicherweise als Steck- oder Schraubregale hergestellt. 

In Fachbodenregale wird üblicherweise manuell ein- und ausgelagert. Die Bedienung mit Gabelstaplern ist eher selten. Ebenfalls selten sind Fachboden-Hochregallager. Die Anschaffungskosten für Regal und Lagertechnik steigen mit der Regalhöhe, sind aber trotzdem überschaubar. 

Eine Sonderform des Fachbodenregals ist das Weitspannregal. Dieses dient in erster Linie zur Einlagerung überlanger Güter oder als Schwerlastregal und verfügt deshalb über deutlich breitere Fächer. 

Kragarmregal mit Metallrohren im Freien.
Kragarmregale kommen besonders in der Metall- und Holzindustrie zum Einsatz, auch im Freien. Umso wichtiger ist die langlebige Regalkennzeichnung mit Thermotransferdruckverfahren für besonders strapazierbare Etiketten.

Kragarmregal

Kragarmregale finden sich überwiegend in der Eisen- und Holzverarbeitungsindustrie. Sie haben keine Böden, stattdessen wird die Ware auf seitlichen Auslegern gelagert. Dabei gibt es zum einen die Möglichkeit, die Ware auf den Kragarm aufzuschieben (wie beispielsweise bei Papierrollen) oder auf den Kragarmen abzulegen (beispielsweise bei Langgütern).  

Kragarmregale werden für sperrige und schwere Güter genutzt und müssen mit einem Flurförderzeug bedient werden.

Behälterregal 

Ein Behälterregal ist ein spezielles Regal, das auf die Maße der zu lagernden Behälter abgestimmt ist. Meist handelt es sich um Metallregale mit Einlegeböden, es kann aber auch als geschlossenes System ausgeführt sein, um empfindliche Ware in den Behältern vor Beschädigung, Schmutz oder vor Diebstahl zu schützen.  

Behälterregale finden sich häufig in automatisierten Kleinteilelagern (AKL). Diese funktionieren nach dem Prinzip Ware zum Mann und werden durch Kleinteillagergeräte oder autonome Shuttles bedient. Die Lagergeräte werden elektrisch angetrieben und laufen auf Schienen. Die leistungsfähigen Regalbediengeräte können Geschwindigkeiten von zirka 7 m/s erreichen, wodurch ein hoher Kommissionierdurchsatz möglich ist. Sie werden normalerweise in Hochlagern betrieben. Die Kräne können auch in schmalen Gängen (von etwa 1,5 Metern Breite) operieren und bieten daher eine hervorragende Bodennutzung. 

Dynamische Regale für Paletten und Stückgüter 

Lagertechnik wird als dynamisch bezeichnet, wenn die Güter nach der Einlagerung bewegt werden. Dabei gibt es mehrere Varianten. So kann das Gut sowohl innerhalb eines feststehenden Regals als auch zusammen mit dem Regal bewegt werden. Eine weitere Variante ist die Bewegung der Güter mit Fördermitteln wie beispielsweise dem Kettenförderer, dem Paternoster oder einer Elektrohängebahn.  

Vorteil der dynamischen Regallagerung ist die Einsparung von Wegen und dadurch eine schnellere Kommissionierung. 

Durchlauf- und Einschubregal 

Durchlaufregale können für Paletten oder Stückgüter genutzt werden. Das Lagergut bewegt sich von der Einlagerseite zur Auslagerseite, typischerweise auf einer geneigten Rollenbahn oder auf einer Rutsche. Das funktioniert entweder durch Schwerkraft, oder das Lagergut wird mechanisch angetrieben.  

Da pro Regalkanal nur eine Artikelart gelagert wird, ist diese Bauart für schnelllebige Produkte geeignet.

Das Einschubregal unterscheidet sich vom Durchlaufregal dadurch, dass die Ein- und Auslagerung von der gleichen Seite erfolgt. Mit jeder weiteren Palette, die in das Regal eingelagert wird, werden die vorherigen Paletten um einen Platz weitergeschoben. Da die Bahn geneigt ist, rücken die im Einschubregal befindlichen Paletten bei der Auslagerung selbstständig nach. Da bei dem Einschubregal kein FIFO-Prinzip (First in, first out) möglich ist, beschränkt sich dessen Nutzung auf Güter ohne Haltbarkeitsdatum.

Verschieberegallager 

Verschieberegale können sowohl als Fachregal, Paletten- oder Kragarmregal gebaut sein. Das hervorstechende Merkmal dieser Regalform ist, dass sich die einzelnen Regalzeilen auf seitlich verfahrbaren, elektrisch angetriebenen Fahrwagen befinden. Diese lassen sich dicht zusammenfahren, wodurch der Raumbedarf minimal wird, da eine einzige Regalgasse ausreicht. Auf der anderen Seite sind die einzelnen Lagerplätze schlecht zugänglich. 

Umlaufregal 

Umlaufregale funktionieren nach dem Prinzip Ware-zum-Mann. Die Ware wird entweder per horizontalem (Horizontalkarussell) oder vertikalem Umlauf (Paternoster) zum Entnahmeplatz transportiert. 

Horizontalkarusselle ähneln Fachbodenregalen. Die Ladeeinheiten befinden sich allerdings auf einem fahrbaren Gestell und werden zu einer Pickstation transportiert. Die Kommissionierzeit verringert sich, da Laufwege des Personals minimiert werden. Zudem ist das System platzsparend, da Regalgassen eingespart werden können. 

Auch beim Paternoster werden die benötigten Güter direkt an eine Entnahmeöffnung transportiert. Diese kann zudem in einer für die Beschäftigten ergonomisch vorteilhaften Höhe installiert sein. 

Fazit  

Um noch einmal auf das eingangs zitierte Beispiel zurückzukommen: Die Geschäftsleitung hatte für die Modernisierung des Lagers ursprünglich eine andere Regalart favorisiert. Bei einer fachlichen Beratung wurde jedoch erkennbar, dass das System nur mit Schwierigkeiten zu erweitern gewesen wäre. Im Nachhinein äußerten sich die Geschäftsführer zufrieden mit der neuen Lösung.  

Das verdeutlicht, dass eine gründliche Recherche vor der Anschaffung eines neuen Regalsystems unabdingbar ist.  

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Quellen:
Gudehus, T. (2010): Logistik – Netzwerke, Systeme und Lieferketten; 4. Auflage, Heidelberg.
Rushton, A. et al. (2010): The Handbook of Logistics & Distribution Management, 4. Auflage, London.
https://www.ingenieur.de/fachmedien/logistikfuerunternehmen/lagerlogistik/lagersystem-fuer-die-perfekte-verpackung/
http://www.logipedia.de/lexikon/Hochregallager (Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML) 

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